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Januar 2007


Über die Schwierigkeit, den eigenen Kulturkreis zu transzendieren, kulturelle Begriffe zu definieren und auf eine letzte Ursache zurückzuführen. Aus der wunderbaren Metaphysik der Sitten, Abschnitt Eherecht, § 25 und 27.

Was er dem Weibe wohl zuflüsterte? Sicher ist – er blieb zeitlebens Junggeselle.

§25

“Geschlechtsgemeinschaft (commercium sexuale) ist der wechselseitige Gebrauch, den ein Mensch von eines anderen Geschlechtsorganen und Vermögen macht (usus membrorum et facultatum sexualim alterius) und entweder ein natürlicher (wodurch seines Gleich gezeugt werden kann) oder unnatürlicher Gebrauch, und diese entweder an einer Person ebendesselben Geschlechts, oder einem Tiere von einer anderen als der Menschen-Gattung; welche Übertretungen der Gesetze, unnatürliche Laster (crimina carnis contra naturam), die auch unnennbar heißen (erinnert mich an Lovecraft, phuture-4000), als Läsion der Menschheit in unserer eigenen Person, durch gar keine Einschränkungen und Ausnahmen wieder die gänzliche Verwerfung gerettet werden können.

Die natürliche Geschlechtsgemeinschaft ist nun entweder die nach der bloßen Natur (vaga libido, venus volgivaga, fornicatio), oder nach dem Gesetz. Die letztere ist die Ehe (matrimonium), d.i. die Verbindung zweier Personen verschiedenen Geschlechts zum lebenswierigen wechselseitigen Besitz ihrer Geschlechtseigenschaften. Der Zweck, Kinder zu erzeugen und zu erziehen, mag immer ein Zweck der Natur sein, zu welchem sie die Neigung der Geschlechter gegeneinander einpflanzte; abe daß der Mensch, der sich verehlicht, diesen Zweck sich vorsetzen müsse, wird zur Rechtmäßigkeit dieser seiner Verbindung nicht erfordert; denn sonst würde, wenn das Kinderzeugen aufhört, die Ehe sich zugleich selbst auflösen. Es ist nämlich, auch unter Voraussetzung der Lust zum wechselseitigen Gebrauch ihrer Geschlechsteigenschaften, der Ehevertrag kein beliebiger, sondern durchs Gesetz der Menschheit notwendiger Vertrag, d.i., wenn Mann und Weib einander ihrer Geschlechtseigenschaften genießen wollen, so müssen sie sich notwendig verehlichen, und dieses ist nach den Rechtsgesetzen der reinen Vernunft notwendig.”

§27

“Der Ehe-Vertrag wird nur durch eheliche Beiwohnung (copula naturalis) vollzogen. Ein Vertrag zweier Personen beiderlei Geschlechts, mit dem geheimen Einverständnis, entweder sich der fleischlichen Lust zu enthalten, oder mit dem Bewußtsein einer, oder beider Teile, dazu unvermögend zu sein, ist ein simulierter Vertrag und stiftet keine Ehe; kann auch durch jeden von beiden nach Belieben aufgelöst werden. Tritt aber dieses Unvermögen nur nachher ein, so kann jenes Recht durch diesen unverschuldeten Zufall nichts einbüßen.

Die Erwerbung einer Gattin oder eines Gatten geschieht also nicht facto (durch Beiwohnung) ohne vorhergehenden Vertrag, auch nicht pacto (durch den bloßen ehelichen Vertrag, ohne nachffolgende Beiwohnung), sondern nur lege: d.i. als rechtliche Folge aus der Verbindlichkeit, in einer Geschlechtsverbindung nicht anders, als vermittelst des wechselseitigen Besitzes der Personen, als welcher nur durch den gleichfalls wechselseitigen Gebrauch ihrer Geschlechtseigentümlichkeiten seine Wirklichkeit erhält, zu treten.”

Eingangs soll nicht unerwähnt bleiben, dass wir uns im Folgenden auf rutschigen historischen Boden begeben.
Tsunayoshi Tokugawa – der 5. Shogun aus der Linie der Tokugawa – saß dem Kleinstaatenkosmos, der sich irgendwann in der Zukunft als Japan bezeichnete, zwischen 1680 und 1709 vor. Die offizielle “Geschichtsschreibung” spricht ihm wie jede Geschichte der Macht allerlei Errungschaften zu, die eher auf das Konto seiner Beamten gegangen sein dürften. Weniger verdächtige Quellen zeichnen das Bild eines Mannes mit deutlich debilen Zügen (vermutlich kausal: die strikte Vorliebe der Tokugawa für Inzest), den die eigentlichen Machthaber lieber vor der Öffentlichkeit (was halt damals so Öffentlichkeit war) versteckt hielten.

Jedoch konnte der kindlich-fortpflanzungswillige Geist Tsunayoshis offenbar eine politisches Paket durchsetzen. Nachdem ihm (der Legende/Erzählung nach) ein Schaman offenbart hatte, dass er zeitlebens kinderlos bleiben würde, solange in seinem Machtbereich Tiere grob behandelt würden, verabschiedete er ab 1687 eine Reihe von Edikten, die u.a. das Töten, Aussetzen und Mißhandeln – insbesondere von Hunden – unter (Todes)Strafe stellten. Viele sollten dieser kriminalisiernden Grille zum Opfer fallen (maximale Schätzungen reichen bis an einen Wert von 50.000 für die gesamte Regierungszeit heran). Andere sollten sterben, weil Tsunayoshi eine Hundesteuer erheben ließ – u.a. um einen riesiges Reservat für streunende Hunde zu errichten (auch hier belaufen sich die Schätzungen auf einen Maximalwert von 50.000 Hundeeinheiten).

Eines der liebenswerten Details des extravaganten lex canis: wer es verpasste, einen Hund mit o-inu-sama (Herr Hund) anzureden, musste mit Sanktionen (wie üblich: Todesstrafe) rechnen.

Jedenfalls wurde dieser Kurs unmittelbar nach dem Dahinscheiden Tsunayoshis (er sollte ohne ein Weibchen befruchtet zu haben aus der Welt gehen) abgebrochen.

Tsunayoshi ist heute in Japan (wie die gesamte Tokugawa-Ära) in Vergessenheit geraten. Leider liegen seine Dekrete mW weder in englischer noch einer anderen europäischen Sprache vor, was u.a. hieran (S. 1) liegen könnte.

A-history-of-now feiert die Exzentrik und die autoritären Regime, in denen sie gedeiht, und fordert die japanische Regierung hiermit im Namen seiner selbst auf, alle Schriften sofort ins Englische zu übertragen.

nannte man Rochen, die Präparatoren im Mittelalter zu Monstern umoperierten.

Bekanntlich wird in vielen Gegenden unseres Erdballs der verbreitete Aberglaube zu einem einträglichen Geschäft genutzt. Die oft schon industrielle Herstellung von Amuletten und vielen anderen Wundermitteln ist dafür der Beweis.

Auch in den vergangenen Jahrhunderten gab es überall Leute, die aus jener “Erkenntnisschwäche” des Menschen Gewinn zogen. Besonders im Mittelalter muss die Nachfrage nach Wundern und wundervollbringenden Gegenständen stark ausgeprägt gewesen sein. Skurrile Tierformen spielten dabei ein große Rolle.

Gerade Seetiere, die sowieso weitgehend unbekannt waren und schon absonderlich wirken, wenn sie lediglich getrocknet sind, waren vielerorts als wunderliche Wesen zu sehen. In Kirchen, auf Märkten und in den Sammlungen der Monarchen wurden jedenfalls die abenteuerlichsten Meeresbewohner zur Schau gestellt. Da waren nicht nur die Unterkiefer der Bartenwale als die Rippen riesiger Monster zu bestaunen, sondern auch tolle Fabelwesen, die geschickte Präparatoren jener Zeit aus unterschiedlichen Tieren bastelten. Zeitgenössischen Schilderungen zufolge gab es damals in den Mittelmeerländern gutflorierende Werkstätten, die sich auf die Herstellung der Meerwunder spezialisiert hatten. Aus einer derartigen Werkstatt stammt gewiß auch die 1530 in Venedig gezeigte und unter Verwendung von Affenschädeln gefertigte “Siebenköpfige Wasserschlange”. Ein ähnliches Kunstprodukt wurde 1533 dem König von Frankreich für immerhin 6000 Duktaten zur Bereicherung seiner Raritätenkammer angeboten.

.[mygal=seeungeheuer]

Als eine Art Massenware wurden getrocknete Rochen vertrieben. Die Unterseite dieser flachen Knorpelfische bietet schon von Natur aus ein eigentümlich berührendes Fratzengesicht. Damit aber von der flunderähnlichen Gestalt nichts blieb, machte man – so einen freistehenden Kopf formend – Einschnitte in den Seitenflossen, erschuf auf die gleiche Weise Beine, zwängte noch in die beiden Atemlöcher auf der Unterseite künstliche Augen und verkaufte sie dann als tote Basilisken. Bereits Konrad Gesner wetterte 1558 in seinem “Fischbuch” gegen derartige Fälschungen:

“DIe Apotheker und andere landstreycher gestalten die leyb der Rochen in macherley gestalt nach jren gfallen mit abschneyden, krümmen, zersperren in Schlangen, Basilischgen und Tracken gestalt. Solcher gestalt eine ist hiehär gesetzt, damit nacher solcher trug und beschiß gmerkt werde. Ich hhabe ein landstreycher bey uns gesehen, der ein sölche form für ein Basilisch gezeigt, so doch allein aus dem Rochen gestaltet ist worden.”

Fernsehen ist tot. Die olle autoritäre Sendestruktur. Keiner vermißt dich. Man wird ungnädig auf die gerade vergangenen Zeiten zurückblicken.

Utopien (gr.: “Nicht-Ort”) haben im Zeitalter der abgeschlossenen und immer präziseren Erfassung unseres Erdenrunds kein geographisch-narratives Refugium auf der Erdoberfläche mehr. Denkbar ist einzig die Verlagerung der Erzählung in den Weltraum oder aber die Formulierung von Hohle Welt Theorien. Und selbstredend kann der erzählerische Komplex frei auf der Zeitachse angesiedelt werden, wodurch die Erzählung jedoch mE an Wirkkraft einbüßt.

Die Hochzeit der geographisch fundierten Utopien koninzidierte bezeichnendenweise mit der europäischen Ära der Entdeckungen – und Baby: wie aufregend es wohl gewesen sein muss, mit einem Kopf voller Märchen eine nicht empirisch erzählte Topographie zu erobern (vgl. zum Beispiel die Etymologie von Kalifornien).
Eine der wirkmächtigsten und (eingedenk der Verbreitung des Motivs in zahlreichen Geschichten) den verderbten Zeitgeist und die Kultur des Abendlandes am Besten spiegelnden Utopien (auch wenn sie hier einem anderen Genre zugeordnet wird), war das Schlaraffenland, dessen Karten sich in der Galerie finden und die man – hach – sogar hier erwerben kann.

.[mygal=schlaraffenland]
Eine nahezu komplette und überaus unterhaltsame und instruktiv zu lesende Liste der Orte des Schlaraffenlandes findet sich hier und hier.

Deine nächste Doktorarbeit.

Angel Boi übertreibt nicht, wenn er behauptet, der King des Foot Fetish Hip Hop zu sein. Wer noch keinen Toegasm hatte, informiere sich in erster Instanz hier, kaufe oder verkaufe dann hier (NSFW) und kultiviere seine Gefühle schließlich hier.

Das Projekt Sockenmädchen (NSFW) bewirbt seine Videos viral über Youtube:

und hat auch etwas für den literarisch Geprägten im Angebot.

wartet mit herrlich uninformiertem, undifferenziertem und – yeah – christlich motiviertem Aktionismus gegen die Gothic-Subkultur auf, der nahezustehen ich völlig unverdächtig bin. Der namensgebende Claim ist zudem auf einem bunten Potpourri an Merchandising-Produkten abgedruckt.

Und natürlich hat sich bereits Widerstand formiert.

Mich persönlich hat die Seite auf dem falschen Fuß erwischt und dadurch eingenommen, dass sich die Catchphrase “God hates Goth” so mühelos in den Song “Life is life” einarbeiten lässt (der wiederum perfekt geeignet ist für den Standard-Goth-Tanz).

via Neatorama

Unter

www.pledgebank.com/church-and-state

findet sich ein (gutgemeinter, aber wohl dysfunktionaler, s. Diskussion) Aufruf eines Mr. Doug Christie, Richard Dawkins letztes Buch “The God Delusion” an englische Abgeornete zu schicken. Ich habe den Link vordringlich gesetzt, um auf die der Seite zugrunde liegende Aktionsform hinzuweisen.

Mir fällt da auch ein guter Zweck ein, auf den ich neulich gestossen bin. Und noch einer. (via Metafilter)

Nur ein Anhänger Thanatos´ oder eben eine der Dummheit zuneigende Person kann den Gedanken fassen, Schnee könne mit Romantik, Lebensfreude oder überhaupt mit irgendwas Positivem konnotiert werden. Und es spricht nicht für eine Gesellschaft, die diesen letztendlich todbringenden Himmelsabfall mehrheitlich in einen solches Licht rückt. Wer Schnee liebt, freut sich letztendlich auch über Vulkanausbrüche auf der anderen Straßenseite. Dabei ist er nichts anderes als eine Naturkatatrophe, deren unzweideutig humanozide Konsequenzen dem Genie des Menschen unterlegen waren. Ich frage mich wirklich, wann diese diskursive Degeneration ihren Ausgang genommen hat. Vermutlich erst nach der Erfindung von Heizung, Fenster und Bärenfett.

An dieser Stelle wurde schon beflissen und klug über die heilkräftige Wirkung von Bären-, Dachs- und Murmeltierfett sinniert. Wer sich scheut, die Mittelchen aus Russland zu importieren, der freut sich sicherlich über diesen Link ins rechtssichere Österreich, wo auch ein buntes Allerlei an dachsfellenen Kleidungsstücken angeboten wird.

Die Seite ist von der Medizin von Hildegard von Bingen inspiriert, der die moderne Wissenschaft auch die Erkenntnis zu verdanken hat, dass frische Welpenzungen Schürfwunden abklingen lassen und die mir vom Thron der Wissenschaften die Eingebung herabreichte, dass sie am 23.07.2008 einem braunen Bären als weißer Dachs wiedergeboren wird, der nie gesehen ward.

Und dann gabs da noch diese literarisch vollendete Kopfgeburt: “Wenn das Blut eines Mannes in der Gluth der Wollust aufschäumt, giebt es Schaum von sich, den wir Samen nennen; so giebt ein Topf am Herdfeuer in Folge der Feuerhitze Schaum von sich. Wenn nun einer vom Samen eines Kranken empfangen wird oder von schwächlichem, ungekochtem Samen, der mit eitrigem Saft gemischt ist, der ist in seinem Leben meistens krank und voll Fäulniss, wie Holz, das, von Würmern durchbohrt, vermodert. So einer wird denn oft voll von Geschwüren und Eiterbeulen und zieht den eitrigen Krankheitsstoff aus den Speisen leichter an sich zu dem Eiter, den er schon hat. Wer davon frei ist, ist gesunder. Wenn der Same aber geil ist, wird der aus ihm empfangene Mensch unmässig und geil … . Wenn ein Mann unter Erguss kräftigen Samens und in treuer Liebe zur Frau zu ihr kommt und sie dann auch die rechte Liebe zum Manne hat, dann wird ein männliches Kind empfangen; denn so hat es Gott eingerichtet … Wenn der Mann seine Frau treu liebt, die Frau aber den Mann nicht, oder auch die Frau den Mann liebt, aber der Mann nicht die Frau, und der Mann dermalen nur dürftigen Samen hat, so entsteht ein weibliches Kind…. Die Wärme der Frauen von dicker Constitution ist stärker als der Samen des Mannes, so dass das Kind häufig ihnen ähnlich wird; die Frauen von magerer Constitution bekommen oft ein Kind, das dem Vater ähnelt…”

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